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Gerd-Hans Mülhoff war Schwarzbrenner

Goch (RP). Um ein Haar hätte es die erfolgreiche Spirituosenfabrik Mülhoff nach dem Krieg nie gegeben. Denn in der Not wurde Mülhoff zum Schwarzbrenner. Die Anlage möchte er nun der Stadt schenken.

Restauriert und aufpoliert: Gerd-Hans Mülhoff (links) zeigt Wolfgang Pitz seine originale Schwarzbrenn-Anlage aus der Nachkriegszeit. Foto: Gottfried Evers

Ein Tag, in seinem ereignisreichen Leben, den Gerd-Hans Mülhoff, inzwischen 87, nie vergessen wird. 1947 óder 1948 war's. Mülhoff, gerade aus der Zwangsarbeit heimgekehrt nach Goch. Die Familie: fast alle tot. Das Zuhause: fast alles zerstört. Die Not: unendlich groß. Er habe im Keller des zerstörten Elternhauses vegetiert, erzählt er noch heute mit Grausen. An Haustüren um ein Stück Brot gebettelt. "Aber es hatte ja niemand etwas." Dann, kurz "vor der Währung", der Einführung der D-Mark, besagter Tag. Mülhoff: "Ich war bei meiner Cousine, der Mutter von Karl-Heinz Bremer übrigens, zu Besuch in ihrer Gaststätte am Mühlentor. Da kamen zwei Beamte der Zollfahndung heraus. Man habe etwas gehört. Ich stand unter Verdacht, schwarz gebrannt zu haben." Ein sehr streng verfolgtes Delikt damals, denn es standen hohe Geldstrafen darauf. Das wiederum spornte die Zollfahnder an.

Mülhoff hatte aus der Not heraus, aus Überlebensdrang, tatsächlich genau das getan: schwarz Schnaps gebrannt. "Ich hatte ja in Gütersloh in einer Brennerei von 1943 bis 1945 meine Lehre gemacht und wusste genau, wie es geht. Und die kleine Schnapsbrennanlage hatte ich fast unversehrt aus den Trümmern des Elternhauses geborgen, und sie war einsatzfähig."

Mülhoff wandte also sein Wissen an. "Ich nahm alles, was man kriegen konnte. Allerlei Früchte zum Beispiel." Heraus kam das, was man heute "Obstler" nennen würde. Selbstverständlich waren aber auch Kartoffeln für ihn der Stoff, aus dem die Träume für die Kundschaft wurden. Mülhoffs geistige Getränke hatten gegenüber so manchem "Eigenheimer" dann auch noch den Vorteil, neutral und "kornig" zu schmecken. Gelernt war halt gelernt. Mülhoff wusste, wie's geht.

 

Schon bald war die Nachfrage wesentlich höher als das Angebot. Und dann – ja, dann kam "der Zoll". Was die gestrengen Staatsdiener nicht wussten: Mülhoff wohnte eigentlich im Keller des Elternhauses. Konnte dann aber glaubhaft machen, sein Zimmer sei "unterm Dach juchee". Also: Durchsuchung auf dem Speicher. 15 Flaschen Schnaps förderte die Staatsmacht dort zu Tage. Gerd-Hans Mülhoff: "Die hatten natürlich keine Etiketten. Und ich konnte glaubhaft machen, dass ich diesen Schnaps am Bahnhof gekauft hatte, von irgendwem." Gerd-Hans Mülhoff musste dennoch Strafe zahlen – für heutige Verhältnisse überaus schmerzliche 1000 Mark. Allerdings noch "alte Mark".

Ironie des Schicksals: Wäre er wirklich angeklagt und verurteilt worden, damals – es hätte nach dem Krieg niemals die Genehmigung zur Fortsetzung der Familientradion, sprich, der Brennerei Mülhoff gegeben. Keine bald 50 Arbeitsplätze, keine wirklich hohen Steuerzahlungen an den Staat, keine Gocher Traditionsgeschichte.

"Goch ohne Mülhoff – das könnte man sich doch gar nicht vorstellen", sagt Wolfgang Pitz. Der Vorsitzende der Gocher Senioren-Union (deren Mitglied Gerd-Hans Mülhoff ist) entwickelte mit dem Unternehmer gemeinsam die Idee: "Diese Brenn-Anlage ist, weil sie sozusagen die Keimzelle des Nachkriegs-Unternehmens bildet, ein Stück Gocher Nachkriegsgeschichte. Darum freuen wir uns auch so sehr, dass Gerd-Hans Mülhoff diese Anlage, nachdem er sie vor Jahren mal aufwändig restaurieren ließ, demnächst der Stadt Goch schenken wird. Weil – das ist wirklich Heimatgeschichte zum Anfassen."


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