Blumenfrau Hanneliese ist Kessels guter Geist

Goch-Kessel (RP). Der gute Geist in der Nachbarschaft, der nie im Rampenlicht steht und immer für andere da ist: Die RP wird gemeinsam mit der Senioren-Union solche Menschen vorstellen. Premiere: Hanneliese Wutzler.

VON THOMAS CLAASSEN

 

Frühlingsblumen – eine Leidenschaft von Hanneliese Wutzler, die mal ihr Beruf war. Noch heute bindet sie die schönsten Sträuße. Foto: Klaus-Dieter Stade
 
Zeit? Hanneliese Wutzler nimmt sie sich. Viel sogar. Denn eines weiß sie ganz genau. Die Menschen, die sie besucht, haben hier, auch hier, auf dem Dorf in Kessel, oft kaum noch jemanden zum Reden. Da sind diese Besuche der Höhepunkt der Woche, des ganzen Monats gar. Hanneliese Wutzler (auf das H vor dem Rest legt sie allergrößten Wert) teilt die Kommunion aus. Das heißt, sie geht zu den Menschen, die zu alt, zu krank, zu schwach sind, selbst in die Kirche zu kommen. Und dieser Kommuniondienst, den sie schon seit einem Vierteljarhhundert macht, ist ihr eine Herzensangelegenheit. Jeder Besuch dauert eine Stunde. Mindestens. "Erst quatschen wir mal in Ruhe, dann beten wir, dann gibt es die Kommunion." Was es sonst noch gibt? Kaffee, Kuchen, auch mal ein Schnäpschen, einen Likör. Denn Hanneliese Wutzler gehört für viele längst zur Familie. Sieben bis achtmal Kommunion austeilen – "dafür plane ich zwei Tage ein", erzählt sie.
 

 
Hinwendung zum Menschen. "Da ist Frau Wutzler ein ganz besonderes Beispiel", sagt Wolfgang Pitz. "Ein ganz hervorragendes. Als Beispiel. Wohl kaum jemand ist besser dafür geeignet als sie."
 
Menschen, die selbst im Rentenalter sind, die sich engagieren, intensiv, über viele Jahre. "Und die das Ganze, so viel Einsatz es auch verlangt, im Verborgenen tun, außerhalb jeder Öffentlichkeit", so Pitz. "Und genau das wollen wir gemeinsam mit der RP ändern. " Menschen wie Hanni Wutzler seien es, die gerade auf den Dörfern rund um den Gocher Stadtkern auf diese Weise im Verborgenen ehrenamtlich tätig seien.
 
Besuche. Begegnung. Nur ein kleiner Teil dessen, was Hanni Wutzlers unermüdlichen Einsatz ausmacht. 15 Jahre lang pflegte sie das Pastorengrab auf dem Kesseler Friedhof. Schmückte es mit Blumen. Klar, das kann sie gut, die Frau vom Fach, dereren Berufsleben ja Blumen und Pflanzen waren. Aber genau so gut schrubbte sie mit Akribie die Algen vom Grabstein. Schrubbte auch den Boden – des Pfarrheims beispielsweise. Macht Kränze für die Kerzenständer in der Kirche. Die großen und auch die kleinen, die viel feiner und daher viel schwieriger in der Herstellung sind. Gibt jede Woche die Kirchenzeitungen so aus, dass jedes der sieben Kinder, die sie austragen, genau die richtige Zahl an Exemplaren bekommt. Sammelte zehn Jahre lang für das Martinskomitee, damit die Kinder in Kessel ordentlich was in die Tüte kriegen. Besucht die Nachbarin, die froh über die Zuwendung, den Kontakt ist. Kocht ihr (und anderen) ihre inzwischen sagenumwobene Rindfleischsuppe. Und das wohl schon seit fast fünf Jahrzehnten. Wie lange genau – Hanneliese Wutzler weiß es gar nicht mehr.
 
"Ach, ist doch selbstverständlich", sagt sie nur. "Ich mach das doch gerne." Und das, obwohl sie selbst viel Schweres in ihrem Leben durchgemacht hat. Die Kraft, die sie ausstrahlt, steckt ebenso an wie ihre Lebensfreude. Eine Frau, die Mut macht. "Ein Vorbild eben", sagt Wolfgang Pitz. Stimmt.