Fahrschul-Training nur für Senioren

Goch (RP). Selbstbestimmt leben im Alter, auch auf dem Dorf oder im Außenbereich: Ohne eigenes Auto wird das schwer. Speziell für alte Menschen startet die Senioren-Union Goch nun ein Projekt: Fahrschule zum Auffrischen. Ohne Schwellenangst. VON THOMAS CLAASSEN

Margret Schleife, die die Siebzig hinter sich gelassen hat, ist fast ein wenig "lampenfiebrig": Sie freut sich auf die Fahrstunde mit HelmutEngel. Der Fahrlehrer weiß genau, worauf er bei und mit Senioren achten muss. Das Ziel: möglichst lange möglichst sicher Auto fahren – um selbstständig zu bleiben. Foto: Klaus-Dieter Stade

 


Da kann man zu Hause noch so gut zurechtkommen – wenn man auf dem Dorf oder einem Hof weit draußen lebt, der nächste Laden oder gar Supermarkt Kilometer weit entfernt ist – "Dann kann es schnell vorbei sein mit dem selbstbestimmten Leben im Alter", sagt Wolfgang Pitz, Vorsitzender der CDU-Senioren-Union in Goch. "Da ist ein eigenes Auto, die Fähigkeit, gut und sicher dieses Auto fahren zu können, alles andere als Luxus, sondern sehr häufig eine unbedingte Voraussetzung für so ein selbstbestimmtes Leben." Denn oft sei es so, dass Kinder eben nicht so nahe bei den Eltern wohnten, dass sie regelmäßig Einkäufe für sie erledigen, "Transferdienste" zum Arzt leisten könnten – und vieles mehr.

Wie sicher fahre ich? Brauche ich mal "Nachhilfe"? Was hat sich alles getan, geändert in der Zeit, in der ich fahre? 50 oder mehr Jahre nach der Führerscheinprüfung? "Ja, vieles hat sich geändert", sagt Wolfgang Pitz. "Vieles, das man in der Praxis ohnehin mitbekommen hat, in das man ,hineingewachsen' ist. Aber es ist sicher nur vieles und nicht alles." Deshalb, genau deshalb hat die Gocher Senioren-Union, die sich ja des Themas "Selbstbestimmt zu Hause alt werden" intensiv annimmt, für ihr neues Angebot ein Abkommen mit der Fahrschule Engel aus Goch geschlossen. Wolfgang Pitz: "In Gruppen von jeweils maximal 15 Personen bieten wir gemeinsam die praxis- und seniorengerechte Auffrischung in der Theorie an." 90 Minuten für gerade mal fünf Euro pro Person – ein obendrein auch noch günstiges Angebot. Und es sei, betont der SU-Vorsitzende, maßgeschneidert für die Zielgruppe. Da werde nicht gelehrt, was man eh wisse, sondern was sich im Laufe der Jahre geändert habe. Pitz: "Ein Beispiel nur: Kennen Sie den Unterschied bei der Vorfahrt von Radfahrern in Kreisverkehren? Dann, wenn um diesen Kreisverkehr ein Radweg herumgeführt ist?" Diese Unterschiede gibt es nämlich, bei innerörtlichen und außerörtlichen Kreisverkehren." Bei der Antwort müssten, sagt er grinsend, sicher nicht nur viele Senioren passen. "Und das ist nur ein Beispiel von vielen Themen, die bei dieser theoretischen Auffrischung besprochen werden."

Das Wissen – die eine Seite. Das Können – die andere. Klar, in Deutschland muss nach wie vor niemand seinen Führerschein einfach deshalb abgeben, weil er ein bestimmtes Alter erreicht hat. Kein Senior muss routinemäßig eine praktische Fahrprüfung machen. Wolfgang Pitz: "Wer aber, nach der Theorie, gerne auch mal eine Fahrstunde machen möchte – auch dafür gibt es dann ein spezielles Angebot." Ohne Leistungsdruck, ohne das Gefühl, bei dieser Fahrstunde "staatlich überwacht" zu werden, aber eine wertvolle Hilfe bei der Einschätzung der eigenen Fahrkünste – darauf komme es schließlich an. Und genau das begeistert auch Margret Schleife (76). Sie war sofort begeistert von der Idee. Um weiterhin mit Freude und obendrein vielleicht noch ein ganz klein wenig sicherer Auto zu fahren. Wer mit dem Wagen in Goch unterwegs ist, braucht auch einen Parkplatz in der Stadt. Am besten mitten in der Gocher City, wenn er dort zu tun hat. Und da sei es, sagt Wolfgang Pitz, eben wichtig, dass der Markt auch Parkplatz bleibe.

Wolfgang Pitz: "Nicht vollständig wie früher. "Aber die Lösung, wie wir sie jetzt haben, also eine zeitlich begrenzte Parkmöglichkeit, die die Gastronomie an der Südseite des Marktes nicht stört, ist eine seniorenfreundliche. Daher halten wir als Senioren-Union es für außerordentlich wichtig, dass Parken auf dem Markt in der jetzigen Form weiterhin möglich bleibt."