Neubau in der Stadtmitte wird geplant

Rheinische Post (10. März 2017) von Anja Settnik

Goch. In ihrer Veranstaltungsreihe "Gocher Altenheime" besuchte die Senioren-Union das Betreuungs- und Pflegezentrum "Haus am Heiligenweg". Dort werden auch jüngere Pflegebedürftige und psychiatrisch Erkrankte versorgt.

Wann immer eine Altenhilfeeinrichtung ihr Angebot erweitert ist das für Menschen, die sich mit dem Thema beschäftigen, eine gute Nachricht. Deshalb hörte es die Gocher Senioren-Union gern, dass das Haus Am Heiligenweg eine Dependance in der Stadtmitte plant (wir berichteten).

Die Männer und Frauen der CDU-Senioren unterhielten sich vor Ort mit Ingrid Günzel und ihrem Sohn Frank Günzel, die das Heim privat betreiben. Vor 23 Jahren wurde es eröffnet, bot zunächst Platz für 51 Bewohner, von denen die meisten in Doppelzimmern lebten. "Ich hätte gerne schon damals Einzelzimmer angeboten, aber das wollte der Landschaftsverband nicht, weil das nicht zur Größe der Einrichtung gepasst hätte", erzählt Ingrid Günzel. Dank eines zweiten Bauabschnitts im Jahr 1997 kam Platz für weitere 32 Bewohner hinzu - insgesamt leben seit damals 83 Männer und Frauen in der Einrichtung. Im Jahr 2009 wurde etwas verändert, was bisher in der Umgebung einmalig ist: Ein kleiner Wohnbereich wurde zu einem beschützten ("geschlossenen") Bereich umgebaut, in dem psychisch erkrankte oder auch forensische Patienten nach entsprechendem richterlichen Beschluss aufgenommen werden.

Eine "Endstation" muss das für die oft noch recht jungen Leute nicht sein, betont Frank Günzel. Ziel sei, sie auf andere Wohnformen vorzubereiten oder sie zu befähigen, wieder in ihren Familien zu leben. Alle Senioren- und Pflegeheime müssen ihre Einzelzimmerquote bis 31. Juli 2018 auf 80 Prozent anheben, verlangt das Gesetz. Deshalb wurden in jüngerer Vergangenheit zahlreiche Heime umgebaut oder haben das noch vor sich. Auch am Heiligenweg wird dieser Schritt vollzogen, was zur Folge hat, dass trotz eines Anbaus "nur noch" 59 Bewohner in den geräumigen Einzelzimmern unterkommen. Die Reaktion der Betreiber: Es wird eine Dependance geben. "Wir sind sehr froh darüber, dass die Stadt Goch uns dabei unterstütz hat", betont Günzel. Wo jetzt noch die seit Jahren verlassene Gaststätte "Hinterm Engel" steht, soll ein moderner, wohnlicher Neubau mit Platz für 34 Menschen entstehen. Da letzte Abstimmungsgespräche noch ausstehen, kann Günzel noch keinen Bau- oder gar Fertigstellungstermin nennen. "Es haben sich aber schon Interessenten gemeldet, und wir vermerken gerne noch weitere Bewerber", versichert er. Das neue Haus wird sehr nah zur Fußgängerzone liegen, was für noch rüstige Ältere attraktiv ist. Im zweiten Haus wird jedem ein Einzelzimmer mit Bad zur Verfügung stehen, es gibt Wohnküchen, Gemeinschaftsräume, Innenhof und Dachterrasse. Das Essen kommt vom Haupthaus, ebenso die Wäsche.

Wolfgang Pitz und seine Mitstreiter der Senioren-Union (SU) sprachen wie in allen Heimen die Tages- und Kurzzeitpflegeplätze an. "Davon gibt es viel zu wenige, dabei ist eine zeitweise Entlastung gerade für pflegende Angehörige so wichtig", sagt Pitz. Er sei froh darüber, dass die Heime sich bemühen, im Bedarfsfall auch kurzfristig einen Platz zu schaffen. Etwa, wenn ein alter Mensch aus dem Krankenhaus entlassen wird und nicht gleich nach Hause kann, wenn die Angehörigen die Zukunft noch organisieren müssen, wenn eine Demenz plötzlich deutlich schlimmer wird. Frank Günzel stimmte der Feststellung zu, eigentlich brauche es hotelähnliche Einrichtungen mit Betreuung, aber die Kostenträger hielten sich da zurück. Es sei nun mal so, dass jede Einrichtung kostendeckend arbeiten müsse. Mehrere SU-Mitglieder trugen Erfahrungen mit Eltern oder Schwiegereltern bei. Wie schwierig es ist, plötzlich Pfleger und Aufpasser für Vater oder Mutter zu sein haben viele schon leidvoll erlebt.

Sehr zufrieden zeigten sich die Besucher damit, dass im Haus Am Heiligenweg neben examiniertem Fachpersonal auch Lernschwache eine Chance haben. Die "Fachkraft für persönliche Dienstleistungen", die Essen anreichen, bei der Körperpflege helfen und bei vielen anderen Dingen helfen kann, entlastet die höher qualifizierten Mitarbeiter und bietet Benachteiligten eine berufliche Perspektive. Insgesamt beschäftigt das Haus 15 Auszubildende, die von den Pflegeschulen in Kleve oder Xanten kommen die Helfer auch vom TBH). Fast alle haben danach einen festen Arbeitsplatz sicher.