Senioren-Union besucht wieder Heime

Rheinische Post (7. Februar 2017) von Anja Settnik

Goch. Nach fast sieben Jahren gibt es eine Neuauflage der "Serie": Gochs Senioren-Union um Wolfgang Pitz will feststellen, wie sich die Altenheime der Stadt entwickelt haben. Den Auftakt machte das Josefshaus in Pfalzdorf. Neubau von 2009.

Sie haben es ernst gemeint, damals, vor sechseinhalb Jahren, als die Aktiven der Senioren-Union Goch beschlossen, alle Altenheime der Stadt aufzusuchen, um sich ein Bild von den Angeboten für die Senioren zu machen. "Abgehakt" war die Aktion danach nicht, denn nun folgt sozusagen die zweite Staffel. "Wir möchten erfahren, welche Veränderungen sich in den Heimen ergeben haben und nehmen dabei nicht nur die Bewohner, sondern ebenso die Mitarbeiter in den Blick", erklärt Wolfgang Pitz, Vorsitzender der Senioren-Union. Die gleichen Einrichtungen wie 2010 werden jetzt von ihm und seinen Mitstreitern besucht. Den Anfang machte das Josefshaus in Pfalzdorf, das damals, beim ersten Besuch, gerade seinen Neubau bezogen hatte.

Offenkundigste Änderung seitdem: Nicht mehr Gabi Theissen leitet das Haus (sie ist inzwischen Regionaldirektorin des Gocher Krankenhauses), sondern Jörg Matenaers. Ihn kannten viele Gocher (wenn nicht von der Karnevalsband "K 6") als Intensivpfleger aus dem Hospital, doch Matenaers hat sich weitergebildet und den Einsatzort gewechselt. Arbeitgeber blieben die Katholischen Kliniken im Kreis Kleve. Der Großteil des Teams ist jedoch derselbe wie vor Jahren - ein gutes Zeichen, befanden die Gäste, denn diese Konstanz zeige, dass sich die Mitarbeiter wohl fühlen. "Und für die Bewohner ist es ganz wichtig, dauerhafte Bezugspersonen zu haben", weiß zum Beispiel Willi Arians.

Monika Bremer, Jack Krämer, Rüdiger Bone und die anderen engagierten Mitstreiter nicken zustimmend, denn sie alle haben ihre Erfahrungen mit dem Thema. Eltern, Schwiegereltern, Bekannte - immer mehr Menschen erreichen ein hohes Lebensalter, benötigen irgendwann Pflege, werden dement. "Noch werden die meisten Demenzkranken zu Hause versorgt, aber immer häufiger funktioniert das nicht mehr, weil in Ein-Personen-Haushalten oder in Familien, wo beide Partner erwerbstätig sind, zu wenig Zeit ist", berichtet Pitz. Er plädiert deshalb dafür, die Angehörigen zu entlasten und mehr Tagespflegeplätze einzurichten.

Dass ein Pflegeheim eine gute Entscheidung sein kann und dort intensiv daran gearbeitet wird, es den Bewohnern so heimelig wie möglich zu machen, davon konnte Jörg Matenaers überzeugen. Er sprach über die Ausstattung und die Philosophie des Josefshauses, zeigte später die Wohnbereiche, die sanitären Einrichtungen, den Snoozelraum zur Entspannung.

Das Haus hat 40 Plätze, je zehn Bewohner gehören zu einem Wohnbereich. Jeder Senior hat ein Einzelzimmer mit Bad, und ihm wird größtmögliche Selbstständigkeit ermöglicht. Auf Aktivierung durch Angebote des Sozialen Dienstes wird viel Wert gelegt. "Bei uns bleibt niemand dauerhaft im Bett. Wir haben einen speziellen Pflegerollstuhl, der es praktisch jedem ermöglicht, an Gemeinschaftsaktivitäten teilzunehmen", erzählt Matenaers. Wem jedoch mal der Sinn nach Rückzug steht, darf auch auf seinem Zimmer essen.

Viel wird laut Matenaers für die Gesundheitsvorsorge der Angestellten getan. Das geht von technischen Hilfen, die den Rücken der Pflegerinnen schonen, bis zu fürsorglich gestalteten Dienstplänen, die den Mitarbeitern auch mal mehrere Tage Erholung am Stück ermöglichen. Sie dürfen ihren Arbeitgeber anonym beurteilen und - ebenso wie die Bewohner - jederzeit Beschwerden äußern. Mitarbeitervertretung und Heimbeirat haben keine Scheu, Probleme anzusprechen. "Es ist schwierig, gutes Personal zu finden. Da muss man sich schon um seine Mitarbeiter bemühen", weiß Matenaers.

Drei Auszubildende pro Jahrgang haben beste Chancen, im Verbund einen festen Arbeitsplatz zu finden. Neben den Angestellten sind Ehrenamtler sehr wichtig. Die Senioren-Union hat schon den einen oder anderen vermittelt. "Niemand sollte befürchten, zeitlich überfordert zu werden, wenn er sich einbringen möchte. Ob wöchentlich oder nur wenige Stunden im Monat: Jeder Einsatz ist wertvoll", sagt Pitz.

Das kann der Chef des Josefshauses nur bestätigen, zumal Ehrenamtler andere Dinge mit den Bewohnern unternehmen als die Mitarbeiter. Ein Spaziergang, etwas vorlesen, vielleicht Karten spielen oder Musik machen - da gibt es viele Möglichkeiten. Auch "Einzelbetreuung" von jemandem, bei dem die Chemie besonders gut passt, ist willkommen.

Quelle: RP