51,3 Prozent in der Stichwahl: Stefan Rouenhoff ist jetzt CDU-Bundestagskandidat

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Kurier am Sonntag vom 29.6.2016 (Text und Bild von Olaf Plotke)

Kreis Kleve. Stefan Rouenhoff (37) aus Goch ist Bundestagskandidat der CDU im Kreis Kleve. In der Messe Kalkar siegte Rouenhoff knapp im zweiten Wahlgang gegen Matthias Reintjes aus Emmerich. Der Gocher erhielt 280 Stimmen (51,3 %), Reintjes 266 Stimmen (48,7%). „Ab morgen beginnt die Arbeit, dann heißt unser Gegner Barbara Hendricks“, sagte der Bundestagskandidat in einer kurzen Dankesrede auf der Bühne.

Zuvor hatten die 560 Parteimitglieder einen spannenden Wahlabend erlebt. Neben Rouenhoff und Reintjes waren auch der Reeser Bürgermeister Christoph Gerwers und der Issumer Ratsherr Tammo Eilers zur Wahl angetreten. Die Bewerber wurden in einer mehr als einstündigen Veranstaltung ausgiebig vorgestellt. Jeder Bewerber stellte sich erst in einer kurzen Rede vor. Matthias Reintjes war der einzige Bewerder, der seine Rede komplett frei hielt. Anschließend stellte Moderator Günther Bergmann den vier Männern Fragen zu ihrem politischen Lebenslauf und ihren Standpunkten. In einer Fragerunde mussten die Bewerber Kopfhörer tragen, während Bergmann einen Bewerber befragte. So wurde sichergestellt, dass niemand sich auf die Fragen vorbereiten konnte, bzw. mehr Zeit zum Überlegen hatte. "Was haben Sie gedacht, als Angela Merkel sagte: 'Wir schaffen das.'?", war so eine Frage. Die überraschte auch Eilers, Rouenhoff und Reintjes - Gerwers war hier wohl der Einzige, der schnell auf die Auswirkungen vor Ort hinweisen konnte und die Herausforderungen, die sich für die Gemeinden ergeben hatten. Die Kopfhörer-Fragerunde wirkte vielleicht etwas seltsam, aber es war sicher dem Bemühen geschuldet, hier wirklich eine faire Vorstellungsrunde zu gewährleisten, die niemanden bevorzugt oder bessere Chancen einräumte. Das war auch der Grund, warum Fragen der Mitglieder an die Bewerber nicht zugelassen waren. Man wollte vermeiden, dass Bewerber ihre Anhänger so insturieren, dass Mitbewerber mit gewissen Fragen vorgeführt würden. Es war ein langes und aufwendiges Verfahren, aber es gab allen Bewerbern ausreichend Gelegenheit, sich zu präsentieren. Den Mitgliedern gefiel es, sie hatten an diesem Abend wirklich eine echte Wahl.

Die Wahl selbst zog sich dann ganz schön hin. Bis die 570 Mitglieder an den vier Wahlurnen gewählt hatten - das dauerte. Gerwers erhielt im ersten Wahlgang nur 24 Prozent der Stimmen, Eilers nur bescheidene 2,1 Prozent (12 Stimmen). Eilers war etwas enttäuscht, nahm es aber am Ende doch locker: „Ich habe es wenigstens versucht.“ Reintjes erhielt im ersten Wahlgang 36,1 Prozent, Rouenhoff 37,7 Prozent. Ein zweiter Wahlgang musste die Entscheidung bringen. Eine neue Vorstellung gab es nicht, es wurde quasi direkt gewählt. Nicht ganz direkt, denn es mussten erstmal 570 Stimmzettel gedruckt werden.

Es war bereits nach 22 Uhr als Dr. Günther Bergmann das Ergebnis der Wahl verkündete. Im Saal war es mucksmäuschenstill, als der Kreisvorsitzende sagte: "Wir haben ein Ergebnis." Er zögerte etwas - es wirkte, als überwältige ihn der Moment selbst ein wenig - und sagte dann: "Es ist wirklich so spannend und knapp." 280 zu 266 Stimmen. Rouenhoff streckte die Siegerfaust in die Luft, dann drehte er sich zu Reintjes um, der neben ihm saß. Die beiden Konkurrenten schüttelten sich fair die Hand. Dann stand der Gocher auf und ließ seinen Emotionen freien Lauf. "Ich danke allen, die mich gewählt haben", sagte Rouenhoff anschließend in seiner kurzen Rede auf der Bühne. "Aber auch denen, die nicht mich unterstützt haben, aber heute hierher gekommen sind. Ab morgen stehen wir alle zusammen. Ab morgen beginnt die Arbeit, dann heißt unser Gegner Barbara Hendricks."

Dass es am Ende zwischen Rouenhoff und Reintjes so knapp war, zeigt wie sehr beide Kandidaten die Mitglieder überzeugten. Dass sie beide in die Stichwahl kamen, ist auch ein deutliches Signal der Basis, dass sie eine Verjüngung der Partei wünscht. Rouenhoff wird nun hart daran arbeiten, sich im Kreis Kleve bekannt zu machen. Für die Kreis Klever CDU war die Veranstaltung auf alle Fälle ein Gewinn. Sie präsentierte sich als Partei, in der jedes Mitglied mitentscheiden kann und die große Resonanz zeigte, dass das auch Mitglieder aktiviert zu kommen. "Das heute hier ist ein starkes Zeichen", befand der Kreisvorsitzende Dr. Günther Bergmann schon ganz am Anfang, als er auf der Bühne stand und in die vollen Reihen der Kalkarer Messehalle blickte.

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