Raus aus der Komfortzone

Rouenhoff nrz

NRZ vom 03.06.2016 (Kristin Dowe)

Goch.  Neues Vorstandskonzept, personeller Wechsel, offene Diskussionsabende – die CDU Goch bemüht sich, bei den Bürgern verlorenen Boden wieder gutzumachen

Die CDU Goch geht nach dem Debakel der vergangenen Bürgermeisterwahl selbstkritisch mit sich ins Gericht. Der Wille zur Veränderung soll auch nach außen sichtbar sein – neue Köpfe sollen frischen Wind in die verkrusteten Parteistrukturen der Christdemokraten bringen. „Insgesamt haben wir jetzt sieben neue Vorstandsmitglieder. Das ist schon ein ordentliches Auswechseln“, beschreibt der neue Vorsitzende Stefan Rouenhoff die Entwicklung. „Man spürt die Aufbruchstimmung in der Partei und wir können jetzt in die Vollen gehen.“

Zumindest auf Kreisebene kann sich die CDU nun gleich mit vier potenziellen Bundestagskandidaten schmücken, nachdem neben dem heimgekehrten Gocher Stefan Rouenhoff nun auch Tammo Eilers aus Issum seinen Hut in den Ring geworfen hat. Doch ist man nach dem Wundenlecken bei der CDU Goch derweil noch in der Findungsphase, wie man verloren gegangenes Vertrauen der Bürger zurückgewinnen kann.

Offene Gesprächskultur

Ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Gocher, das ist das wichtigste Signal, das die Partei in diesen Tagen nach außen senden will – spätestens nach der Sommerpause wollen die Christdemokraten dann konkrete Themen in die Öffentlichkeit tragen.

 

 

„Von der Entwicklung auf dem Gelände der ehemaligen Reichswaldkaserne bis zum Haushalt gibt es viel zu besprechen“, so Peter Bissels, der zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde. Um konkret Position zu einzelnen Fragestellungen zu beziehen, sei es jetzt allerdings noch zu früh.

Mit Rouenhoff an der Spitze des Vorstandes und Andreas Sprenger als Fraktionsvorsitzenden hat sich die CDU Goch immerhin personell verjüngt. Weibliche neue Gesichter sucht man mit Ausnahme von Katharina Verhoeven-Scholz als zweite stellvertretende Vorsitzende allerdings vergeblich und auch die Fraktion gestaltet sich als reine Männerrunde. „Weiblichen Nachwuchs findet man in der Politik eher bei den anderen Parteien“, räumt Bissels ein. „Gewisse traditionelle Rollenbilder sind in der CDU doch noch verankert.“

Ändern könnte sich das, wenn das neue Vorstandskonzept der CDU Goch aufgeht: Die fünf Arbeitsgruppen, bestehend aus den Themenkomplexen „Wirtschaft, Wohnen, Infrastruktur“, „Schule, Ausbildung, Kultur“, Jugend, Familie, Senioren, Integration“ sowie „Presse und Medien“, sollen sich jeweils aus einem Koordinator und einem Mitglied aus dem geschäftsführendem Vorstand sowie zwei Beisitzern zusammensetzen. Grundsätzlich seien die AGs offen für alle Bürger, betont Bissels: „Wer sich für ein Themengebiet interessiert, ist herzlich eingeladen, sich zu engagieren – ein CDU-Parteibuch ist dafür keine Voraussetzung.“ Auch die Veranstaltungsreihe „Klartext“ soll fortgesetzt werden und den Dialog mit den Bürgern intensivieren, ein zwangloses Sommergrillen, das ebenfalls für alle Bürger offen sein wird, steht außerdem auf dem Programm.

Leben auf gepackten Koffern

Stefan Rouenhoff lernt indes bereits das rastlose Reisen als potenzielles Bundestagsmitglied in Berlin kennen: Denn unter der Woche ist der 37-Jährige als Handels-Attaché bei der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der Europäischen Union in Brüssel tätig, am Wochenende widmet er sich der Parteiarbeit im heimischen Goch. Ein Leben auf gepackten Koffern. „Ich stehe unter der Woche im ständigen Austausch mit den Parteimitgliedern. Diese Zweiteilung hätte man im Alltag als Abgeordneter schließlich auch.“ Ob das manchmal stressig ist? „Wenn man Politik nicht aus Überzeugung macht, sollte man die Finger davon lassen.“

Raus aus der Komfortzone | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-kleve-und-der-region/raus-aus-der-komfortzone-id11880554.html#plx1855028474