Seniorenhilfe: ein Büro im Rathaus

Goch (RP). Eine Erfolgsgeschichte geht mit Turbo-Tempo weiter: Die aufsuchende Seniorenarbeit, die der Rat aus Kostengründen abgeschafft hat, startet auf ehrenamtlicher Basis am 2. Februar mit ihrer Arbeit. Und hat nun ein Büro im Rathaus.

 

Eingerahmt von Gabi Theissen (r.), Seniorenausschuss-Vorsitzende, und Wolfgang Look (Stadt Goch, schulender Fachmann, links) begutachteten die Ehrenamtlichen gestern ihr Büro im Rathaus. Foto: Gottfried Evers

Gabi Theissen macht schon seit weit über zehn Jahren aktiv Kommunalpolitik in Goch. Aber so ein Beispiel für ehrenamtliches Engagement im Zeitraffertempo habe sie noch nie erlebt, erzählt sie, das sei rekordverdächtig. Genau dieses Engagement vieler in Windeseile zusammengekommener Helfer macht es möglich, dass die aufsuchende Seniorenarbeit in Goch nach der "offiziellen" Abschaffung nahezu ohne Pause weitergehen kann.

"Das alles haben wir letztlich Hanni Schulte zu verdanken", erzählt Gabi Theissen. "Sie hat das Ganze angestoßen und wird auch die leitende Funktion übernehmen." Und das alles ging so schnell, dass schon vor der entscheidenden Sitzung des Hauptausschusses, der die Abschaffung der aufsuchenden Seniorenarbeit beschloss, eigentlich alles klar war.

Gabi Theissen (CDU), Vizebürgermeisterin in Goch, nahm dann offizell das sprichwörtliche Heft in die Hand, telefonierte, überzeugte. Vom Start weg sind (wie Hanni Schulte) viele Mitglieder der Senioren-Union Goch dabei. Deren Vorsitzender Wolfgang Pitz war ebenso schnell überzeugt von der Idee: Wir machen das Ganze ehrenamtlich. Das baut auch Ängste ab.

Rat und Verwaltung zogen begeistert mit. Gut, dass gleich mehrere Ratsfraktionen ihre Besprechungszimmer im Rathaus zur Verfügung gestellt hatten. Einen dieser Räume im ersten Stock bekommen nun die Ehrenamtlichen für ihre wöchentlichen, dauerhaft angebotenen (Telefon-)Sprechstunden. Für Sitzungen, Besprechungen. Die EDV hilft, alles zu dokumentieren.

Dokumentation: das Stichwort. Gabi Theissen machte im Gespräch mit der RP klar: "Zwar arbeiten wir ehrenamtlich, aber alle Mitarbeitenden unterliegen selbstverständlich der Schweigepflicht. Sie ist genauso gewährleistet, als wenn die Stadt das weitermachen würde."

Gestern die Vorstellung des Büros, die erste "große" Zusammenkunft der spürbar motivieren Ehrenamtlichen: bis zum Start Anfang Februar ist ja nicht mehr viel Zeit. Gabi Theissen: "Wolfgang Look, der bislang bei der Stadt Goch für die aufsuchende Seniorenarbeit zuständig war, wird alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nun schulen, um sie noch besser auf ihre Aufgabe vorzubereiten." Diese Aufgabe tritt aber nicht etwa in Konkurrenz zu Angeboten beispielsweise von Caritas, Diakonie und ähnlichen Altenhilfe-Angeboten. Theissen: "Wir wollen Lotsen sein, Hilfe zur Selbsthilfe geben, den richtigen Weg für die Lösung des ganz individuellen Problems vorschlagen. Und auch die Leute einfach informieren. Viele wissen beispielsweise gar nicht, welche Ansprüche sie gegenüber der Pflegeversicherung oder ihrer Krankenkasse haben. Wissen nicht, welche Hilfsmittel die richtigen sein können, wo man die bekommt."

Letztlich komme es, so Gabi Theissen, immer auf "das Eine" an: "Jeder von uns möchte doch zuhause bleiben, so lange es geht. Dafür gibt es viele Hilfsangebote und Hilfsmittel, von denen man aber wissen muss. Auch dafür sind wir Ansprechpartner."

Das Büro wird einmal wöchentlich mit zwei Leuten besetzt sein. "Aber darüber hinaus sind natürlich jederzeit Terminvereinbarungen möglich, betont Gabi Theissen. "Die Bezeichnung ,aufsuchend' wird auch weiterhin gültig sein. Denn selbstverständlich machen wir nach vorheriger Vereinbarung auch Hausbesuche bei den Senioren." Nachfrage? Die ist vorhanden. Jetzt schon.