"Schwächen angehen, Stärken betonen"

CDU-Bürgermeisterkandidat Heinz van Baal vor dem Gocher Wahrzeichen, dem altehrwürdigen Steintor.

Goch. Im ersten RP-Interview nach seiner Nominierung zum CDU-Bürgermeisterkandidaten spricht Heinz van Baal über die vor ihm liegende Aufgabe, einen möglichen Wunschgegner und wie Goch sich ein besseres Image verpassen könnte.

Sie sind ohne Gegenstimme zum Bürgermeisterkandidaten der CDU gewählt worden. Was schießt einem da durch den Kopf?

Heinz Van Baal Wenn man von der Mitgliederversammlung mit so einem Ergebnis bestätigt wird, ist man natürlich emotional berührt. Ich hatte zwar auf ein gutes Ergebnis gehofft. Aber ohne Gegenstimme, damit kann man nicht rechnen, darauf bin ich auch ein bisschen stolz. Das gibt ein gutes Signal nach draußen und Rückenwind für die vor uns liegende Aufgabe.

Haben Sie lange zögern müssen, als man an mit der Kandidatur an Sie herangetreten ist?

van Baal Ich habe mir erst einmal Bedenkzeit erbeten, um das auch in Ruhe zu überlegen. Mir ist bewusst, dass ich im Falle meiner Wahl ein sehr verantwortungsvolles Amt übernehme und das will gut überlegt sein. Man geht auch in sich selber und fragt natürlich auch die Familie. Die Überlegung ist dann aber gereift, bis ich der festen Überzeugung war, dass ich Bürgermeister werden möchte.

Haben Sie vor Ihrer Entscheidung auch mit Bürgermeister Karl-Heinz Otto gesprochen?

Van Baal Nein. Das war eine persönliche Entscheidung, die ich und meine Frau getroffen haben. Aber ich kenne Karl-Heinz Otto lang genug. Dass man später auch mal darüber gesprochen hat, ist klar.

Würden Sie Ihre Stelle als Leiter der Polizei Goch dann ruhen lassen?

van Baal Ja, das ist klar. Im Falle einer Wahl würde ich aus dem Polizeiberuf ausscheiden. Ich bin jetzt 60 Jahre alt und manche fragen, warum ich die Herausforderung jetzt annehmen möchte. Normalerweise wäre ich ja mit 62 Jahren in Pension gegangen. Aber ich fühle mich nicht zu alt dafür, ganz im Gegenteil. Andere arbeiten auch bis mindestens 65 Jahren in ihrem Berufsleben.

Sie haben bei der Mitgliederversammlung der CDU gesagt, Goch brauche ein neues Image. Was meinen Sie damit?

van Baal Im Moment wird überwiegend negativ über Goch berichtet. Immer wieder wird angemahnt, dass Goch hohe Schulden habe, der Haushalt kritisch sei, wir ein hohes jährliches Defizit haben. Das ist natürlich so, wir werden das auch ohne Frage angehen. Aber es ist schade, wenn alles andere in Goch, das durchaus positiv ist, derart überlagert wird. Man hört immer wieder von Besuchern, die Goch schön finden. Sei es das Kloster Graefenthal oder das Steintor, die Fußgängerzone, die Nierswelle oder aber auch der Marktplatz. Das kann sich durchaus sehen lassen, das müssen wir auch wieder mehr nach draußen tragen.

Wann geht für Sie der Wahlkampf offiziell los?

van Baal Das planen wir gerade. Von den anderen Parteien hat es ja auch noch keine Reaktionen gegeben. Wir werden unseren Zeitplan intern abstimmen, Karneval aber sicher erst einmal verstreichen lassen.

Wie feiert der Leiter der Gocher Polizeiwache Karneval?

van Baal In den vergangenen Jahren hatte ich am Rosenmontag eigentlich immer Dienst. Das ist dieses Mal aber anders. Wir werden sicher Altweiber feiern, das hat im Kollegenkreis Tradition. Da bietet sich in Goch natürlich das große Festzelt an. Vielleicht trifft man mich dieses Jahr auch beim Umzug und beim Rathaussturm. Auch in meiner Heimat Kessel stehen ja noch zwei Karnevalssitzungen an.

Die vergangene Kommunalwahl hat die Machtverhältnisse im Gocher Rat verändert. Wie schätzen Sie die Stärke der CDU derzeit ein?

van Baal Das ist immer schwierig einzuschätzen. Aber ich habe schon vor meiner Wahl an die Mitglieder appelliert, dass wir für ein entsprechendes Ergebnis bei der Bürgermeisterwahl hart arbeiten müssen. Das ist für mich auch gar keine Frage. Es wird Gegenkandidaten geben, da wird um jede Stimme gekämpft werden müssen. Da müssen wir uns reinknien. Deswegen ist es auch umso wichtiger, dass man geschlossen auftritt und mit entsprechendem Rückhalt in den Wahlkampf geht.

Wenn es um Gegenkandidaten geht, geistern die unterschiedlichsten Namen durch die Stuhlreihen. Ulrich Knickrehm zum Beispiel. Würden Sie sich über einen bestimmten Gegenkandidaten besonders freuen?

van Baal Nein, auch nach meinen 20 Ratsjahren habe ich gegen niemanden eine Antipathie. Wir werden ganz in Ruhe abwarten, wer von den anderen Parteien nominiert wird und dann in den Wahlkampf starten. Intensiv, aber sachlich.

Das Gespräch führte RP-Mitarbeiter Ludwig Krause.

 

Quelle: RP