Ausbildung in luftiger Höhe

 

 

RP-Serie: Schornsteinfegermeister Georg Binn und Azubi Daniel Rötte. Von Thomas Claassen

Den Lohn der Mühen und der Leistung fahren gern andere ein, später. Wenn die drei Ausbildungsjahre rum sind, dann würden ihm, erzählt Georg Binn mit einem resignierenden Lächeln, seine Gesellen gerne mal vom Wettbewerb abgeworben. Liegt's am Beruf, der gar nicht so viele Ausbildungs- und Arbeitsplätze in der Region bietet? Oder liegt's an der Qualität der Ausbildung selbst? Fest steht auf alle Fälle: "Wenn ich ausbilde, dann fühle ich mich wirklich ganz alleine und ganz persönlich verantwortlich", so Georg Binn, bekannt in Goch nicht "nur" als Bezirksschornsteinfegermeister, sondern auch als Chef der Freiwilligen Feuerwehr.

Daniel Rötte und Georg Binn (von links) am Arbeitsplatz. Foto Evers

"Solche Ausbilder brauchen wir, gerde hier auf dem Land", sagt Wolfgang Pitz, Chef der Gocher Senioren-Union. Kein Zufall: Fürs Ende der gemeinsamen Ausbildungs-Serie mit der RP suchte er sich diesen "Ein-Mann-Betrieb" aus.

Höchst motiviert ist, man spürt's, Binns neuer Azubi, der 18-jährige Gocher Daniel Rötte. Der junge Gocher hatte bereits eine Lehre abgeschlossen, als Verkäufer, in Emmerich. "Ich habe gemerkt, das ist nicht das, was ich mein Leben lang machen möchte, aber ich habe die Ausbildung durchgezogen", erzählt Daniel Rötte. "Und mich dann bei Georg Binn beworben. Und das nicht etwa zufällig. Ja, er sei selbst mal daheim gewesen, als der Schornsteinfeger gekommmen sei, erzählt er. Habe mit dem Mann über seinen Beruf gesprochen, seine Arbeit. Und sich entschieden: Ja, das ist was für mich.

Vielfältig sei der Beruf, anspruchsvoll, abwechslungsreich. Jeden Tag andere Kunden, andere Häuser – und auch andere Arbeit. Schon lange fegt der Schornsteinfeger schließlich nicht mehr nur Schornsteine. Georg Binn: "Wir sind Berater in vielerlei Hinsicht: für die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, für die Sicherheit und auch für die Effizienz der Heizungsanlage, also für die beste Energieausnutzung und einen möglichst kostengünstigen Betrieb. Wichtig ist unseren Kunden: Wir beraten neutral. Ganz einfach, weil wir nichts verkaufen."

Arbeit hoch droben auf dem Dach, angst- und schwindelfrei, aber mit Respekt vor möglichen Gefahren – die eine Seite. Arbeit mit vielen ganz unterschiedlichen Kunden – die andere.

Daniel Rütte weiß nun, ein paar Monate nach Start der Ausbildung: Ja, dieser Beruf ist der richtige für ihn. Und zukunftssicher ist er auch. Zwar gibt es immer weniger der alten, rußenden, umweltbelastenden Heizungsanlagen. Die allermeisten sind durch besonders emissionsarme Technik ersetzt worden. Aber das macht Schornsteinfeger nicht etwa arbeitslos. "Denn auf der anderen Seite bringt uns der Trend zu immer mehr Kaminöfen immer mehr Kunden und mehr Arbeit", so Binn.

Arbeit im Handwerk. Arbeit mit Zukunft. Nicht irgendwo weit weg in der Republik, sondern vor der Haustür. "Das ist genau das, was wir brauchen", so Wolfgang Pitz. "Ausbildung vor Ort, die Zukunft sichert. Dann kann man auch eine Familie gründen. Die Ausbildungsplätze, die, wenn auch in jeweils kleiner Zahl, vor allem die Handwerker hier vor Ort bieten, ist wirklich Zukunftssicherung." Die Politik müsse da was tun. Gute Bedingungen schaffen für diese Betriebe. "Wichtigere Wirtschaftsförderung gibt es nicht", so Pitz.