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Beaupoil schenkt ihren Nachbarn Zeit

Goch. Thea Beaupoil lebt seit 50 Jahren in Hassum, direkt an der Grenze zu den Niederlanden. Genau so lange hält die inzwischen 76-Jährige auch die Nachbarschaftshilfe hoch. Besonders begehrt sind sie und ihr Auto als Fahrdienst. Von Christina Rentmeister RP

Die Nachbarn einfach mal auf einen Kaffee besuchen ; seit 50 Jahren pflegt Thea Beaupoil Nachbarschaftshilfe. FOTO: evers

Gerade jetzt im Winter, wo Fußwege für ältere Menschen noch beschwerlicher und oft gefährlich werden, ist Thea Beaupoil bei ihren Nachbarinnen und Freunden besonders gefragt. Denn sie gehört zu den wenigen Seniorinnen in Hassum, die einen Führerschein und ein Auto haben. "Manchmal ist ihr Terminkalender mit Fahrten und Besuchen so voll, dass wir kaum noch dazwischen kommen", sagt Tochter Dorothee Beaupoil.

Sie bewundert, wie sehr sich ihre Mutter schon in jungen Jahren, als sie noch selbst in dem landwirtschaftlichen Lohnunternehmen ihres Mannes am Grebbenweg tätig war, für eine gute Nachbarschaft eingesetzt hat. "Meine Mutter hatte immer Zeit für Besucher oder Besuch, auch wenn sie eigentlich nie Zeit hatte", sagt die Tochter. Deshalb haben sie und ihre drei Geschwister sich auch bei der Seniorenunion gemeldet, als die auf der Suche nach "Den unbekannten Helfern" war. "Wir wollen Menschen ein Gesicht geben, die sich seit Jahren im Verborgenen für ihre Mitmenschen engagieren – ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten oder in der Öffentlichkeit zu stehen", sagt Wolfgang Pitz, der Vorsitzende der Gocher Seniorenunion. Damit wolle man andere Menschen motivieren und zeigen, dass Engagement sich lohnt.

Für Thea Beaupoil ist das, was sie macht, eine Selbstverständlichkeit: "Früher war es ganz normal, dass man die Nachbarn mal zum Kaffee besuchte und sich austauschte. Gerade die älteren Leute wurden von uns Jüngeren besucht. Und wenn mal jemand krank war, halfen wir eben bei Einkauf, Haushalt oder Pflege", sagt Thea Beaupoil.

Diese Nachbarschaftshilfe pflegt Beaupoil seit dem sie vor 50 Jahren an den Grebbenweg in Hassum zog. Selbst als ihre an Demenz erkrankte Schwiegermutter zum Pflegefall wurde, hatte sie weiterhin ein offenes Ohr für die Sorgen ihrer Nachbarn und Freunde. Und auch jetzt, wo sie längst in das Alter gekommen ist, in dem sie früher von den jüngeren Nachbarn Hilfe bekommen hätte und in dem man sich auch als Fahrdienst guten Gewissens zur Ruhe setzen darf, nimmt sie sich noch die Zeit für Geburtstags- und Krankenbesuche oder einfach mal einen gemeinsamen Ausflug zum Kaffeetrinken.

"Die jungen Leute haben dafür heutzutage einfach keine Zeit mehr. Viele pendeln zwischen Wohnung und Arbeit, so dass ich einige Neuzugezogene kaum kenne. Wir grüßen uns zwar, aber man lebt eher nebeneinander als wie früher miteinander", sagt die 76-Jährige, die es bedauert, dass der Zusammenhalt in der Nachbarschaft nicht mehr so intensiv ist wie früher. Gerade im Hinblick auf die immer weniger werdenden Gleichaltrigen würde sie sich wünschen, dass die Nachbarschaft wieder etwas aufblüht. "Wenn nicht junge Leute nachkommen, die unsere Aufgaben übernehmen, dann gibt es irgendwann gar keine gemeinsamen Feiern mehr", sagt Beaupoil.

Genauso wie die älteren Leute in der Nachbarschaft weniger würden, so schrumpfe auch die Seniorengruppe, die sich ein Mal im Monat im Pfarrheim in Hassum trifft. Seien es anfangs noch gut 30 Leute gewesen, kamen im vergangenen Monat nur noch 16 Senioren, um sich bei Kaffee und Kuchen auszutauschen.

Weil sich Kaffee und Kuchen nicht von alleine machen, gehört Beaupoil gemeinsam mit einem befreundeten Ehepaar auch hier zu denjenigen, die sich um die Organisation kümmern – den Kuchen besorgen und Kaffee ausschenken. "Die meisten, die zu unseren Treffen kommen, suchen einfach Gesprächspartner. Da geht es ganz viel darum, einfach mal zu zuhören", sagt die Seniorin.

Sie findet gerade Weihnachten einen guten Anlass, sich wieder mehr Zeit zu nehmen für die kleinen und großen Sorgen der Nachbarn und älteren Mitmenschen und hofft, dass es ihr möglichst viele gleichtun.

 

Quelle: RP

 


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