CDU: Bauen im Dorf muss möglich sein

Goch (RP). Vorerst keine neuen Baugebiete in den Dörfern rund um die Gocher Innenstadt? Die Bündnisgrünen hatten das gefordert und im RP-Gespräch ausufernden Landschaftsverbrauch beklagt. Die CDU gestern dazu: Das geht nicht.

VON THOMAS CLAASSEN

Bauen direkt am Wald, immer größere, ausufernde Dörfer, Umwandlung von schöner Natur- und Kulturlandschaft in Baugebiete – und das alles in einer zahlenmäßig "schrumpfenden" Gesellschaft: Hildegard Fielenbach-Hensel und Hermann Brendieck von den Gocher Grünen fordern ein Umdenken bei der Planung von Baugebieten. Lücken schließen ja, neue Flächen nein. Es gebe erst mal mehr als genug Grundstücke auf dem Kasernengelände, das bald "baureif" sei.

"Mit uns wird es so eine Politik nicht geben", machte gestern Karl-Heinz Bremer, Vorsitzender der CDU im Gocher Stadtrat, deutlich. Im RP-Gespräch, gemeinsam mit Heinz van Baal, dem CDU-Stadtrat aus Kessel. Das nicht ohne Grund, denn: Die Grünen hatten die Planungen für das Baugebiet Burfkamp nahe am Reichswald in Kessel zum Anlass genommen, Umdenken einzufordern.

Heinz van Baal: "Das ist völliger Quatsch. Auch in den Ortsteilen brauchen wir Baugebiete in moderater Form. So, dass sie sich gut einfügen. Die Erfahrungen in Kessel mit den Baugebieten Wiensberg und Seeweg haben ganz deutlich gezeigt, wie viele junge Familien, die in ihrem Heimatdorf bleiben wollen, lange nach Grundstücken gesucht und endlich eines bekommen haben." Das, so Bremer, gelte nicht etwa nur in Kessel: "Auch in anderen Ortsteilen gibt es viele Familien, die da bauen wollen. Und das ist auch wichtig. Denn das sichert Infrastruktur. Ohne die Familien, ohne Zuwachs, ohne Kinder im Dorf keine Schulen vor Ort, keine Kindergärten, keine Einkaufsmöglichkeiten und vieles andere mehr. So etwas erhält sich nicht von selbst."

Die Kritik der Grünen könne er auch unter einem anderen Gesichtspunkt nicht verstehen: "Was ist dagegen zu sagen, wenn Familien aus anderen Städten und Gemeinden nach Goch ziehen? Auch sie tragen mit zum Erhalt dieser Infrastruktur bei." Woher der Pessimismus der Grünen komme, warum sie davon ausgingen, Goch werde in einigen Jahren "schrumpfen" – "das sehe ich nicht, das ist doch Kaffeesatzleserei", sagt Bremer.

Ja, natürlich sei es, wie von den Grünen gefordert, richtig, den Blick nun auf die Vermarktung des Kasernengeländes zu richten, so Bremer. "Aber darum mache ich mir überhaupt keine Sorge. Die Zahl der Voranfragen, der interessierten Bauwilligen ist jetzt schon so groß, dass wir da überhaupt keine Bedenken haben." Das sei ja auch kein Wunder, handele es sich doch um ein "außergewöhnlich attraktives Gebiet."

Ohnehin sei dieses Argument ungeeignet, denn man werde niemals den besagten Bauwilligen quasi vorschreiben, wo sie denn nun ihr Häuschen errichten sollten. "Wir müssen den Menschen etwas bieten. Und das werden wir weiterhin tun. Im Innenstadtbereich und in den Ortsteilen", so Bremer. "Denn viele junge Gocher warten darauf. Wir sollten alle froh sein, dass sie hier bleiben und nicht ganz woanders hinziehen möchten."